Atle Naess, Als die Welt still stand: Galileo Galilei - verraten, verkannt, verehrt
Springer | ISBN 3540210636 | 2005 | PDF | 2 Mb | 245 Pages
Atle Naess arbeitet anschaulich und leicht fassbar heraus, wie es dazu kam, dass Galileo Galilei im Jahr 1632 in die Fänge der Inquisition geriet und zu lebenslangem Hausarrest begnadigt wurde, nachdem er das von ihm untermauerte heliozentrische Weltbild widerrufen hatte. Er macht deutlich, dass der Begründer der empirischen Naturwissenschaft damit überhaupt nichts umstürzend Neues vertrat, sondern lediglich Gedanken konkret untermauerte, die schon 1543 von Nikolaus Kopernikus geäußert worden waren. Mehr als ein halbes Jahrhundert verging, ehe die Gedankenpolizei überhaupt von ihnen Kenntnis nahm. Offenbar lasen die Herren nicht gern, schon gar nicht mathematische oder astronomische Fachliteratur.
Das von Kopernikus formulierte Weltbild, richtete sich im Übrigen weniger gegen die Lehren der Bibel als gegen die Naturphilosophie des Aristoteles, die sich das christliche Mittelalter zu Eigen gemacht hatte. Erst als Galilei sich herausnahm, in philosophischen Abhandlungen das Buch der Natur gegen das Buch der Bibel auszuspielen und die Schriftgelehrten satirisch aufs Korn zu nehmen, war sein Maß voll. Es spricht für das ausgewogene Bild, das Atle Naess von Galilei zeichnet, dass es auch auf dessen Eitelkeit und Ruhmsucht hinweist. Gerade eben wieder haben die betrügerischen Machenschaften des koreanischen Stammzellenforschers Woo Suk Hwang gezeigt, wozu die moderne Wissenschaft in dieser Hinsicht fähig ist. Galileo Galilei, ihr erster Heros, verkörperte nicht nur ihre Stärken, sondern auch ihre Schwächen.


